Reifendruck

      Hallo nochmal!

      Mein Bagheera hat keine Standardbereifung, sondern vorne 175/70 R3 82H und hinten 205/70 VR13. Logischerweise findet sich deshalb weder in der Bedienungsanleitung, noch auf irgendeinem Aufklebe etwas über den richtigen Reifendruck. Im Internet bin ich leider nicht fündig geworden, dort findet man nur Hinweise auf Herstellerangaben, oder Tabellen, in denen aber weder Talbot, noch Simca, noch Matra vorkommen. Jetzt kann ich natürlich nach Gefühl Luft reinfüllen, aber das kann doch nicht die Lösung sein. Wie habt ihr das denn herausbekommen, sofern ihr auf eure Fahrzeuge größere, breitere, oder niedrigere Reifen drauf gemacht habt? Zusatzfrage: Was kann man denn überhaupt auf einen Bag drauf machen? Bekommt man moderne Niederquerschnittsreifen eingetragen? Wie sieht es mit Spurverbreiterungen aus? Sind diese überhaupt zulässig? Fragen über Fragen. Ich hoffe ihr könnt mir helfen. Danke schon mal im Voraus.

      Gruß aus Magstadt, Gunter
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      Hallo Gunter,

      Deine Frage lässt sich einfach nicht klar beantworten. Die vom Hersteller "vorgeschlagenen" Reifendrücke sind Werte, die der Hersteller als ein Ideal ermittelt hat. Da der Hersteller Deine Reifengröße nicht ab Werk für Deinen Bagheera montiert hat, gibt es diese "Empfehlung" schlichtweg einfach nicht. Wenn das Fahrwerk (Federn, Stoßdämpfer, Achslager) nicht mehr neu ist, ist üblicherweise das Fahrverhalten beim "werksmäßigen" Reifendruck sowie so nicht gut, daher würde auch eine vorhandene Empfehlung nichts helfen.

      Der Reifendruck spielt halt mit der Federung in Kombination eine große Rolle für den Fahrkomfort und für die Fahreigenschaften, dass kann man nicht berechnen; man muss das ausprobieren.

      Auf Deinen Reifen steht irgendwo der Maximaldruck, welchen die Reifen dauerhaft vertragen. Bei dem Druck wird er viel zu hart und hoppelig sein. Mach aber einfach mal den Druck drauf und fahr eine Runde. Dann lässt Du nach und nach Luft raus und ermittelst so den Druck, bei welchem er komfortabel und sicher auf der Straße liegt. Fertig!

      Liebe Grüße,

      Roland
      :thumbsup: Alle sagten: "Das geht nicht!". Dann kam ich, ich wusste das nicht und hab es einfach gemacht... :thumbsup:
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      fooleranto schrieb:

      Zusatzfrage: Was kann man denn überhaupt auf einen Bag drauf machen? Bekommt man moderne Niederquerschnittsreifen eingetragen? Wie sieht es mit Spurverbreiterungen aus? Sind diese überhaupt zulässig?


      Zur Zusatzfrage: Kommt darauf an, ob Du eine saubere H-Zulassung möchtest, oder nicht. Ohne H-Zulassung ist grob gesagt alles möglich was technisch möglich ist. Mit H-Zulassung ist, auch nur ganz grob gesagt, alles möglich was zeitgenössisch ist. Das heißt: Gab es die Felgen (optisch), die Reifengröße, die Spurplatten etc. bereits innerhalb der ersten 10 Jahre nach Erstzulassung und hätte er in der Zeit schon so umgebaut sein können, dann sieht das recht gut aus. Wenn nicht siehts nicht gut aus.

      Liebe Grüße,

      Roland
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      Noch eine kleine Ergänzung zu Reifen und Reifendrücken:

      Die Reifen der 70er hatten, bei gleichen Dimensionen, gegenüber den heutigen Reifen, deutlich geringere Geschwindikeits- und Lastindexe, so dass die Reifendruckangaben von damals sowieso nicht mehr zu den aktuellen Reifen passen. Um die heute geforderten Eigenschaften der Reifen zu erfüllen (Fahrzeuge sind bei gleicher Größe heute viel schwerer und schneller), ist der Reifenunterbau heute viel stabiler, so dass die Reifen bei gleichem Luftdruck viel weniger "Federverhalten" aufweisen als früher. Faustformel: je höher der Lastindex/Geschwindikeitsindex, umso härter der Reifen bei gleichem Luftdruck.

      Daher wirst Du um ein selber Ausprobieren leider nicht herumkommen.

      Liebe Grüße,

      Roland
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      Sakrischen Dank Roland! Ich dachte immer, dass der Reifendruck ausschließlich damit zu tun hat, dass der Reifen plan auf der Straße aufliegt und somit gleichmäßig abgefahren wird. Der richtige Reifendruck hat für mich somit immer bedeutet, dass der Reifen damit eben keine Beule oder Delle bekommt. Soll das heißen, dass dieser Aspekt bei den heutigen Reifen keine Rolle mehr spielt? Kann ich somit rein auf den Komfort und die Straßenlage mein Augenmerk richten?

      Nehmen wir mal an, dass mir das Oldtimer-Kennzeichen wurscht ist. Welche Felgen bzw. Reifen würde ich dann drauf bekommen? Wer hat denn von euch eine moderne Bereifung drauf?

      Wie sieht es aus mit diesen Spurverbreiterungen? Kann man solche einbauen, oder sind die nach wie vor verboten? In meinen Jugendjahren durfte man solche nicht drauf haben (hat trotzdem jeder verbaut, man durfte sich halt nicht erwischen lassen). Wer von euch hat den welche eingebaut und abgenommen bekommen

      Viele Grüße, Gunter

      fooleranto schrieb:

      Ich dachte immer, dass der Reifendruck ausschließlich damit zu tun hat, dass der Reifen plan auf der Straße aufliegt und somit gleichmäßig abgefahren wird. Der richtige Reifendruck hat für mich somit immer bedeutet, dass der Reifen damit eben keine Beule oder Delle bekommt. Soll das heißen, dass dieser Aspekt bei den heutigen Reifen keine Rolle mehr spielt? Kann ich somit rein auf den Komfort und die Straßenlage mein Augenmerk richten?

      Doch, der Reifendruck hat selbstverständlich auch etwas mit dem Reifenverschleiß zu tun. Bei zu geringem Reifendruck nutzen sich die Seiten und bei zu hohem Reifendruck die Mitte stärker ab. Idealerweise sollte sich ein Reifen gleichmäßig über die gesamte Breite abnutzen. Ist aber denke ich bei unseren durchschnittlichen Fahrleistungen aber wohl eher nicht so wichtig. Die meisten von uns wechseln die Reifen weil sie altersbedingt Risse bekommen und versteinert sind.
      Ein Reifen hat an Standfläche immer eine Delle, die abhängig vom Luftdruck größer oder kleiner ist. Den "richtigen" Reifendruck gibt es nicht. Jeder Reifendruck ist ein Kompromiss:

      Zu hoher Reifendruck =
      + geringerer Rollwiderstand
      + leichtere Lenkung
      - längerer Bremsweg
      - geringere Traktion
      - schlechterer Komfort
      - schlechtere Straßenhaftung (bei Unebenheiten und Kurvenfahrt)
      - erhöhter Verschleiß Reifenmitte

      Zu niedriger Reifendruck =
      - höherer Rollwiderstand
      - schwergängige Lenkung
      + kürzerer Bremsweg
      + höhere Traktion
      + besserer Komfort aber schwammig
      + bessere Straßenhaftung bei Unebenheiten
      - schlechtere Straßenhaftung bei Kurvenfahrt
      - erhöhter Verschleiß Reifenkante
      - erhöhter Verschleiß durch "Walken"/Temperatur

      Der bestmögliche Reifendruck ist also ein Kompromiss und ist durchaus auch abhängig von der persönlichen Vorliebe. Der einzigste wirklich zu erreichende und auch anzustrebende "Ideal-Reifendruck" ist der, bei welchem die bestmöglichen Kurvenlauf- und Verschleilß-Eigenschaften des Reifens erreicht werden. Alle anderen Eigenschaften sind immer ein Kompromiss.

      fooleranto schrieb:

      Welche Felgen bzw. Reifen würde ich dann drauf bekommen?


      Ich kann die Tage mal die alten Umrüstkataloge blättern...

      fooleranto schrieb:

      Wie sieht es aus mit diesen Spurverbreiterungen?


      Spurplatten sind schon möglich und auch erlaubt, die Stärke ist aber abhängig von der damit erzeugten Gesamt-Einpresstiefe der Felgen. Die Felgenbreite, Ges.-ET, Spurweite etc. muss innerhalb der Werte von "freigegebenen" Umrüstmöglichkeiten liegen (Hebelkräfte an den Achsen verändern sich bei Veränderung der Spurweite, Felgenbreite, ET und das muss durch ein Prüfzeugnis vom Fahrzeug- bzw. Felgenhersteller abgedeckt sein).

      Liebe Grüße,
      Roland
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      Hallo Roland!

      Vielen Dank, besser kann man das nicht erklären. Dann werde ich mich mal ans Werk machen, sobald die Temperaturen wieder angenehmer sind.

      Alte Umrüstkataloge? Wo kriegt man denn sowas her? Toll! Wäre wirklich nett, wenn Du dir da mal die Mühe machen würdest, um darin zu blättern. Bin echt gespannt, was da möglich ist/war.

      Kennst Du die Ges.-ET Werte von "freigegebenen" Umrüstmöglichkeiten? Stehen die auch in dem Katalog?

      Ich sehe schon, die Sache ist nicht so einfach wie gedacht. Umso erfreulicher, dass Du dir so viel Mühe machst. Danke.

      Gruß aus Magstadt

      Gunter
      Du hast Glück - es gibt für diese Reifengrösse durchaus ne Werksangabe - Peugeot hat in den 80ern die Händler mit ganzen Ordnern voll möglicher Rad/Reifen-Kombinationen für quasi alle Peugeot/Talbot-Modelle versorgt .... solch ein Ordner ist mir mal vor Jahren zugelaufen.

      Ich zitiere mal:


      Stand Januar 1987
      Blatt 76

      Fahrzeugtyp X6550, X6 Alle Ausführungen

      Reifen vorne 175/70 HR13 auf 5,5x13 Dunlop R2087, Pedrini LM-Rad 1006 oder 1006A, ET29 - Luftdruck 1,6 Bar
      Reifen hinten 195/70 HR13 auf 5,5x13 Dunlop R2087, Pedrini LM-Rad 1006 oder 1006A, ET29 - Luftdruck 1,9 Bar
      oder
      Reifen hinten 205/70 HR13 auf 5,5x13 Dunlop R2087, Pedrini LM-Rad 1006 oder 1006A, ET29 - Luftdruck 1,9 Bar
      the 3 things you can't fake in life: creativity. competence. erections.
      Hallo Kris!

      Was es nicht alles gibt und welch ein Glück, dass das niemand weg geschmissen hat, so wie ich es sicher getan hätte. Mir wird immer mehr bewusst, wieviel ich in meinem Leben schon vernichtet habe und wieviele Leute es wohl gegeben hätte, die das alles gebraucht hätten. Nun, zu spät.

      Vielen Dank für die Recherche. Das ist zumindest ein sehr guter Anhaltspunkt. Ich wäre viel höher eingestiegen. Und vielleicht passt das ja ganz gut.

      Viele Grüße aus Magstadt

      Gunter
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      @Gunter,
      wenn du nun die Luftdruecke die Kris mitgeteilt hat mit den originalen vergleichst, wirst du feststellen, dass diese sich kaum unterscheiden, richtig? Ein, wenn nicht sogar DAS wesentliche Schluesselkriterium bei der Ermittlung eines korrrekten Reifenluftdrucks ist das jeweilige Achsgewicht (leer und beladen, vorne und hinten). Je hoeher dieses ist bzw werden kann, desto hoeher wird der benoetigte Luftdruck sein um die Laufeigenschaften der montierten Reifen, entsprechend auszunutzen. Gleiches gilt uebrigens auch fuer das Drehmoment der Radschrauben - wobei dieses Thema noch durch Materialfestigkeiten ein bissl komplexer ist - aber egal - hier geht es ja "nur" um den Reifendruck.

      Auch wenn es anfaenglich ein bissl gedauert hat - ich denke mit all den Antworten die du jetzt hast - kommst du weiter. Nicht jeder von uns schaut hier ja tagtaeglich rein...also geht mir zumindest so ;)

      Weiterhin viel Spass und Erfolg

      Beste Gruesse,
      Hans
      Hallo Hans!

      Danke auch für deinen Beitrag. Ja, ich bin nun wirklich viel, viel schlauer als zuvor und bin überrascht wie viel kompetente Antworten man hier im Forum bekommt. Es hat sich jetzt schon für mich gelohnt hier registriert zu sein und ich hoffe, dass ich irgendwann einmal auch mit meinen Kenntnissen dazu beitragen kann, dass ein Neuling wieder einen Matra auf die Straße bringt. Es stehen einfach zu viele in irgendwelchen Garagen und Scheunen rum und es ist echt schade drum. Meine Söhne sind jetzt 31 und 33 Jahre alt und beide haben zuvor noch nie einen Bagheera gesehen. Ist das nicht traurig? Dieses Schicksal haben diese Autos nun wahrlich nicht verdient. Und ihr tragt mit euren Antworten hier dazu bei, dass ihnen vielleicht dieses Schicksal erspart bleibt. Nochmals danke dafür.

      Grüße aus Magstadt


      Gunter
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      go4matra schrieb:

      ... Ein, wenn nicht sogar DAS wesentliche Schluesselkriterium bei der Ermittlung eines korrrekten Reifenluftdrucks ist das jeweilige Achsgewicht (leer und beladen, vorne und hinten). Je hoeher dieses ist bzw werden kann, desto hoeher wird der benoetigte Luftdruck sein um die Laufeigenschaften der montierten Reifen, entsprechend auszunutzen. ...

      So ist es.

      Allerdings geht neben der Achslast auch noch die Aufstandsfläche des Reifens ein. Ein breiterer Reifen hat eine größere Aufstandsfläche und bei unveränderter Achslast (So viel schwerer sind breitere Schlappen nicht.) wird der Druck (Kraft pro Fläche) des Reifens auf die Straße etwas geringer. Demzufolge ist/wäre für den breiteren Reifen der Luftdruck ebenfalls geringfügig abzusenken. Dabei geht aber um 0,2 bis 0,3 bar, was wohl in den sonstigen Toleranzen/Einflüssen (warm/kalt, beladen/unbeladen) untergeht, also eher akademisch.

      Genau gerechnet:
      195 gegenüber 175 sind 11 % mehr bzw. Reifendruck 1,9 bar / (195/175) = 1,7 bar
      205 gegenüber 175 sind 17 % mehr bzw. Reifendruck 1,9 bar / (205/175) = 1,6 bar

      Bei den oben genannten Talbotwerten hätte ich aber so eine Tendenz für die breiteren Reifen erwartet.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „MM16_Franken“ ()

      Was nützt denn ein sauber berechneter Wert, wenn‘s in der Praxis nichts taugt...

      Die heutigen Reifen lassen sich definitiv nicht mit denen vor 40 Jahren vergleichen. Bei gleichem Druck hat der Reifen von damals mit Sicherheit eine wesentlich größere Auflagefläche. Die Reifen haben heute eine viel höhere Eigenstabilität.

      Ich würde nicht rechnen, sondern probieren.
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      fooleranto schrieb:

      ... Das müsste doch "1,9 bar / (205/175) = 1,6 bar" heißen, oder?

      Stimmt, das war ein Copy & Paste Fehler, schon korrigiert.

      Und Roland, Dir gebe ich auch recht: Probieren geht über studieren.

      Mein Posting ist nur der akademische Beitrag zum Thema, wobei ich schon gleichartige Reifen (von damals) in unterschiedlichen Breiten und in Folge unterschiedlichen Aufstandsflächen betrachtet habe. Soll heißen: In der damaligen Talbot Tabelle würde ich eine Absenkung mit zunehmender Breite erwarten. Wir können ja mal bei Talbot nachfragen. :rolleyes:
      @Peter: Du hast eine andere Reifengröße und ein anderes Auto. Hier geht’s um den Bagheera.

      LG, Roland
      :thumbsup: Alle sagten: "Das geht nicht!". Dann kam ich, ich wusste das nicht und hab es einfach gemacht... :thumbsup:
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