Der etwas andere Djet..

      Der ganz grosse Fehler ist, dass es eine Replika ist....Hut ab vor dem Handwerk....aber nur schon das Käfergerassel im Heck würde mir die Freude komplet vermiesen, auch wenn da 10 Auspuffendrohre zur Schadensbegrenzung in den Himmel ragen......ich finde generell Replikas eine der grössten Sünden der Neuzeit...wenns doch nur ein echter Djet wär....:-(
      der Bagheera sieht immerhin so aus, als ob die Karosserieteile von Matra sind. Bei dem Djet ist nicht mal die Kunststoffhaut von Matra. Sieht man z.B. an den Luftauslässen, die sind ohne Funktion, also zu.
      530 / Murena / Avantime / MVS
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      Na ja, immerhin hat´s bei unseren Nachbarn zu einem Talk über MATRA geführt, das ist ja schonmal was wert.
      Solange kein echter Djet/Jet für so ein Projekt herhalten musste, die Replika als solche direkt zu erkennen ist und das ganze handwerklich stimmig ist, warum nicht?
      Da müsste eher die Käferfraktion weinen.
      Genauso wie in England gerne mal brave Limos zu Specials verwurstet wurden und werden...
      Allerdings fehlt das wichtigste Konstruktionsdetail: Der Mittelmotor!
      Man kann zwar auch einen Käfer das Rennen beibringen, es bleibt aber eine Heckschleuder.
      Und wie takeadjet schreibt, kann man eine Replika auch als Homage verstehen.
      Eine DS oder einen SM nachzubauen geht nicht, das sind Gesamtkunstwerke.
      Dreh und Angelpunkt ist für mich dass kein Ergebnis das gewollt und doch nicht gekonnt rauskommt oder ein Plagiat auf die Räder gestellt wird (neben den o.g. Raubbau an historischer Substanz).
      Zumal auch einige Hersteller selbst eigene Repliken ihrer Rennfahrzeuge unters Volk gebracht haben...
      Ich sach nur: "mike hailwood replica"

      Und eigentlich wollte ich schon immer jede Menge Alu abkanten und vernieten um mir eine MS 630 Replika zu bauen. So, jetzt ist es raus...

      Alles Gute

      Michael
      Hallo,
      das sieht aber stark nach viel Arbeit aus...

      Naja, über den Sinn einer Replica lässt sich wieder mal vortrefflich streiten.

      Sicherlich gibt es Replicas von Fahrzeugen welche gebraucht nahezu nicht mehr zu bekommen sind, bzw. wenn dann nur mit
      utopischen Preisen. Es gibt auch sehr gute Replicas, welche von Original nur sehr schwer zu unterscheiden sind.
      Unser murena wurde für einige M1 Umbauten verwendet, von denen auch einige noch fahren, da es sehr wenige Umbauer geschafft
      haben dieses Umbauprojet komplett durchzuziehen.
      Ich selbst kenne mehrere M1 Umbauten von denen einer wirklich sehr gut gelungen ist...
      Da die angebotene Djet Replica in einigen wichtigen Details nicht ans Original rankommt, vor allem der Motor (Käfer und Heck) fragt man
      sich wirklich über die Ernsthaftigkeit dieser "Replica". Richtig genommen ist es eigentlich keine "Replica", da er doch stark abgewandelt wurde
      und die grundlegenden Merkmale, welche den Djet ausmachen (Mittelmotor) geändert wurden.
      Klar, es fahren einige Djet/Jet draußen rum welche auch nicht mehr original sind (verbreitert und starker Motor), aber sie sind zumindest
      von Fahrgestell noch original. Unsere murenas, bagheeras, M 530... wurden früher zu den "wilden Zeiten" auch öfters "individualisiert" und waren
      dann auch nicht mehr original...

      Es muss halt jeder für sich selbst entscheiden mit was er sein Glück findet...

      Bevor ich in dieses Projekt Arbeit investieren würde, würde ich eher versuchen einen originalen Djet zu bekommen (es gibt auch solche Zustände zu
      einem akzeptablen Preis zu kaufen) und würde dann eine Komplettrestauration "investieren".

      Immerhin hätte man dann ein originales Fahrgestell mit Mittelmotor, über den Rest lässt sich dann wieder vortrefflich streiten...

      Viele Grüße
      Wieland
      Ich gebe mal den Ameisentätowierer (ich war einige Zeit FIVA Prüfer).

      Eine Replik/Replika/Replica ist in Strenge ein (exakter) Nachbau, der vom betreffenden Hersteller selbst durchgeführt wird. Beispiele: Frazer Nash Le Mans Replica. Oder der Neubau einer Kleinserie vom DB4 GT derzeit von Aston Martin (nicht zulassungsfähig, übrigens). Auch wenn das in Neusprech gerne "Continuation" genannt wird, weil "Replika" durch häufigen falschen Gebrauch "verbrannt" ist.

      Ein Nachbau oder eine Rekonstruktion ist ein sehr (!) nahe an das Original herankommender Nachbau (oder Rekonstruktion) durch eine Person oder Firma, die keinerlei Verbindung zum ursprüngliche Hersteller hat, wobei keine originalen Fahrgestell- oder Karrosserienummern verwendet werden. Beispiele: Pur Sang (Argentinien) Nachbauten von verschiedenen Vorkriegsklassiskern (Bugatti, Alfa Romeo), übrigens mit extrem hoher Fertigungstiefe, einschließlich eigener Gießerei.

      Eine Dublette ist ein Nachbau, der originale Fahrgestell- und Karrosserienummern verwendet.Und wenn eine Dublette nicht eindeutig als Dublette/Kopie gekennzeichnet ist, ist es eine Fälschung. Es gab mal bei der (neuzeitlichen) Mille Miglia ziemlichen Ärger hinter den Kulissen, weil Mercedes mit einem SSK auftauchte, der von Mercedes neu gebaut und mit einer alten (verschollenen) Fahrgestellnummer versehen wurde. Ohne eindeutige Hinweise zur Neuverwendung einer alten FG-Nr. ist auch das in Strenge eine Fälschung (hier durch den Hersteller und Sponsor der Veranstaltung, was die Sache nicht ganz einfach machte).

      Für Fahrzeuge beispielsweise auf Käfer Basis mit einer nach einem anderen Fahrzeug aussehenden Karrosserie (oder auch nur angelehnt) gibt es eigentlich meines Wissens keinen Fachbegriff, es sind schlicht Eigenbauten der herstellenden Person bzw. "Lookalikes". Solche Eigenbauten können aber durchaus auch Anerkennung als historische Fahrzeuge erhalten, wenn sie mindestens 30 Jahre alt sind, sie sind insofern keineswegs "minderwertige" Oldtimer. Je nach Qualität des Eigenbaus können sie durchaus auch als wertvoll angesehen werden. Das ist dann halt ein "Max Mustermann Special".

      Hiervon nochmals zu unterscheiden sind Autos, welche eine eigenständig designte (also nicht ein anderes Fahrzeug nachahmende) Karrosserie auf einem Serienfahrgestell haben. Beispiel: Rometsch auf Käfer Basis.

      Diese begrifflichen Definitionen im Bereich klassischer Autos weichen vom Duden ab, insbesondere was "Replica" angeht.

      Siehe auch autosanclassic.de/de/ratgeber/…_replika_und_dublette.htm

      Beste Grüße, Bernhard

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      Hallo Bernhard,

      Du trittst doch nicht unter dem Pseudonym "Wolfgang Blaube" auf? 8)
      Genau diese Darstellung hatte ich von Ihm vor einigen Monaten einmal gelesen.
      PS Du hast natürlich recht und die Richtigstellung ist sehr erhellend. Asche über mein Haupt für diese Sprachverrohnung meinerseits *g*
      Wobei sich nun die Frage stellt, wie man die Fahrzeuge von epaf.fr/info bezeichnen soll.
      Der Ort stimmt, Teile der Besetzung stimmen, die Originalfirma ist Geschichte (ja, ja, MATRA gibt es noch irgendwie als - ja was eigentlich?) und die Produkte entsprechen praktisch exakt den Originalen.

      Alles Gute

      Michael

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Michael“ ()

      Der Name sagt mir was (irgendwas mit Besserwisser oder so :D ), dass der sich (auch) diesem Thema gewidmet hat, war mir bislang unbekannt, da ich die Zeitschrift nur gelegentlich kaufe (aber überrascht mich auch nicht) :D .

      Beste Grüße,
      Bernhard

      P.S.: Das Fahrzeug in Deinem Link wäre demnach ein "schlichter" Nachbau? Das sagt ja nichts über die Qualität aus. Die Pur Sang Vehikel, beispielsweise, sind bis ins letzte Detail praktisch perfekt nachgebaut.

      Wenn allerdings ein originales Chassis verwendet wurde, dann würde "wiederaufgebaut" passender sein. Erinnert mich an einen 550 Spider, der in Flammen aufgegangen war, es war wirklich nur noch ein Klumpen geschmolzenen Metalls, es gab nichts zu Wiederverwenden. Der Besitzer hat das Fahrzeug dessen ungeachtet "restaurieren" lassen. Das einzig "Originale" war die Fahrgestellnummer. Das war dann eine Dublette, aber kein "restauriertes Fahrzeug" (also schon wegen dieser Aussage mit 1,5 Beinen im Bereich "Fälschung"). Dass dieser Neubau wieder eine Zulassung bekam (wegen Baujahr nach 2000 natürlich nicht zulassungsfähig) ist wieder ein anderes Thema.
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      Hallo!

      zu den Ausführungen von Bernhard und zu den Definitionen lässt sich nichts hinzuzufügen und ist detailiert und
      glaubhaft ausgeführt...

      und Michael:
      ja, ich weiß was Du meinst, EPAF baut sowohl "neue Fahrzeuge" mit teilweise "alten Teilen" bzw. Restbeständen
      die noch von Matra vorhanden sind neu auf und restauriert auch alte Fahrzeuge wie z.B. mein Djet der auch von
      EPAF restauriert wurde. Ich denke die Herren und Damen dort machen einen sehr guten Job.
      Sicherlich ist es schwierig das "Historische" bei einem Neuaufbau an zu erkennen, aber ich denke wer könnte bei der
      Herstellung/Neuaufbau (keine Restaurierung, die ist eh außen vor, da es ja ein altes Fahrzeug ist) mehr Ahnung und
      Kompetzen haben als die Leute die bei Matra, bzw. in der Rennabteilung von Matra gearbeitet haben. Vieles liegt da
      sicherlich "im Auge des Betrachters". Die Zulassung zu historischen Rennen und die Anerkennung zu einer historischen
      Einstufung und Zulassung ist da wieder eine andere Seite und Bedarf dann eines Prüfers wie Bernhard...

      War es eigentlich nicht mal so, dass es um "grundlegende Teile" (Rahmen etc.) eines historischen Fahrzeugs ging um dieses
      nach einem Wiederaufbau als historisch an zu erkennen?

      VG
      Wieland
      Hallo Zusammen,

      darum ging es mir ja mit meinem Einwurf.
      Oftmals werden große Namen wieder aus der Mottenkiste gezaubert und die Produkte haben mit dem Ursprung nichts zu tun, bei EPAF ist es quasi genau umgekehrt.
      Das man einen Nachbau oder hier doch eine Replik? nicht als historisches Orginal verkaufen oder dem Zuschauer unterjubeln soll ist wohl klar.
      Allerdings finde ich es gut, wenn so die Fahrzeuge wieder artgerecht bewegt und im Einsatz gezeigt werden können ohne Angst haben muß, ein wertvolles Unikat zu gefährden.
      Und näher dran an dem Original geht hier wohl kaum.

      Alles Gute

      Michael
      Hi Wieland, bei der Zulassung für historische Rennen ist es kurioserweise gerade eher unproblematisch. Da wurde "liberalisiert". So ist von einem Besitzer eines Maserati Birdcage bekannt, dass er eine Dublette hat bauen lassen und bei den historischen Rennen wird diese Dublette eingesetzt, ganz legal. In gewisser Weise macht das auch Sinn, denn ein in der Substanz originaler Birdcage wäre wirklich zu schade, um ihn den Risiken eines Rennbetriebes auszusetzen. Trotzdem möchte man sowas natürlich auch mal in Aktion sehen, wie ja auch Michael treffenderweise anmerkt. Im Prinzip haben die Liberalisierungen auch dazu geführt, dass die eingesetzten Rennfahrzeuge eine Performance und Zuverlässigkeit haben, welche die Originale nie hatten und heute schon gar nicht. Nur als Beispiel: Aluminiumlegierungen, die für Blöcke schon damals verwendet wurden, verlieren über Jahrzehnte bis zu 50% ihrer Festigkeit. Ein alter Alublock ist nie so steif wie nach der Herstellung oder ein Neuguss. So ein Teil kann gar nicht bei hoher Beanspruchung halten, das Risiko einer Kurbelwellenbruchs wegen "weicher" Lagergasse ist beispielsweise bei den alten Maserati 4,9 Motoren bekannt.

      Das Problem selbst bei perfekten Nachbauten, egal ob mit oder ohne "Lizenz" (von wem auch immer), ist, dass solche Fahrzeuge jedenfalls in Deutschland für den Straßenverkehr nicht zulassungsfähig sind, weil das Baujahr das tatsächliche (neuzeitiche) ist und so ein Fahrzeug dann den entsprechenden technischen Anforderungen genügen muss. Nur ein Beispiel ist, dass die Abgasentgiftung heutigen Standards genügen und eine OBD Diagnose möglich sein muss. Deswegen ist beispielsweise ein von Aston Martin gebauter und für Riesengeld verkaufter "Continuation" DB4 GT bei uns nicht zulassungsfähig, sprich ein "Stehzeug". Es sei denn man hat auf dem bescheidenen Grundstück eine private Rennstrecke oder sowas :D . Die Briten waren da jedenfalls früher vergleichsweise "schmerzlos", so dass mitunter der Weg über eine britische Zulassung gegangen wird. Dort bekommt, übertrieben ausgedrückt, ein Fahrzeug ein altes "Baujahr" zugeschrieben, wenn ein paar Schrauben aus dem betreffenden alten Baujahr sind. Wie das in Frankreich in der Praxis ist, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Ich weiss allerdings, dass dem einen oder anderen britischen Fahrzeug (Nachbau) in Deutschland die Zulassung wieder entzogen wurde (nicht nur H) wenn "ruchbar" wurde, dass es sich um eine "britische Rückdatierung" handelte.

      Beste Grüße, Bernhard
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      Abend Bernhard,

      meines Wissens geht das in Deutschland inzwischen so weit, dass selbst Kit-Cars wie bspw. "Porsche 356"-Nachbauten auf orginal alter Käferplattform nicht mehr zulasungsfähig sind - früher war das kein Problem, denn es wurde ja "nur" die Karosserie getauscht ...

      Gruß Frank