Werkstatt - Motorschacht-Deckel thermisch ausrichten

      Werkstatt - Motorschacht-Deckel thermisch ausrichten

      Hallo Kollegen und Restaurierer,

      der Motorschachtdeckel ist ein mit Kunstleder bezogenes Formteil aus thermoplastischem Kunststoff.
      Über die Jahre verzieht sich dieses Teil (Einwirkung der Hitze über dem Motor) ganz erheblich.
      Aus einigen Restaurierungen ist bekannt, daß Sattler versuchen mit Schaumstoff-aufpolsterungen die
      Verformung zu kaschieren.
      Nach Entfernung des ramponierten Kunstlederüberzugs und des Schaumstoffs war die Frage
      "Verformung rückgängig machen oder einen neuen Deckel finden?".

      Ich habe mich für die Rückverformung (Versuch?) entschieden. (Ausgangslage Bild-1 bis -3)
      Ein Stützrahmen aus Holzlatten (Bild-6) ist schnell gefertigt und der Versuch kann starten.
      Der Kunststoff wird formbar/weich bei einer Temperatur von ca 115 bis 125 Grad C
      (Beginn plastischer Zustandsbereich).
      Mit Hilfe des im Bild-4 sichtbaren Gas-heizgebläse erreicht man eine Oberflächentempratur
      von ca. 70 Grad (angestrahlte Seite).
      Mit dem Heißluftföhn wird dann auf der Gegenseite eine Fläche von 10x20 cm bis zur
      Verformbarkeit erhitzt. Mit einem Thermometer kann der Vorgang gut kontrolliert werden.
      Mit etwas Geduld und Vorsicht kann so der gesamte Deckel abschnittsweise verformt werden.
      Verspreizungen und Gewichte helfen dabei, daß die "neue" Form bis zum Erkalten bleibt,
      ggf. muß der Vorgang mehrmals durchgeführt werden.
      Wie beständig diese "neue Form" ist, darüber werde ich dann (hoffentlich erst)
      in einigen Jahren berichten.
      Bilder
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      Information
      Genial !!

      Die Bilder zeigen ja deutlich, dass die Wölbung konkave ist,
      also stelle ich mir das so vor, dass zunächst durch die Hitze eine Wölbung nach aussen,
      also konvex stattfindet und bei Erkaltung und langsamer Ermüdung des Materials die
      Moleküle irgendwann "durchhängen" ?
      Eine werksseitige Querverstrebung hätte das ja verhindert, aber dann wäre das Material vielleicht gerissen ?!

      Ich hinterfrage das nur so, weil mein Deckel absolut plan ist, vielleicht haben die mal
      eine Änderung vorgenommen.

      Wenn dies Problem mehrere haben, mir bisher nicht bekannt, käme es auf meine "to do" liste.

      Gruß

      Uwe
      @ Patrick:

      wenn ich mir das Teil so anschaue, wuerde sich da doch eine Anfertigung / Nachfertigung aus GFK anbieten. Der Aufwand fuer die Form ist ueberschaubar. Zweiteilig fuer einen Deckel ohne Streben, eventuell dreiteilig fuer einen mit Streben. Der Zeitaufwand fuer die Form duerfte bei ca. 6 - 8 Stunden liegen plus die Vorbereitung bzw. Anfertigung des Urmodells.

      Zuschnitt, laminieren und finishen des Deckels wuerde ich auf ca. 4 - 5 Stunden schætzen.

      Materialkosten kann ich ausrechnen/ueberschlagen, wenn ich die Masse kenne.

      Ist zwar eigentlich nicht unser Business aber wenn da in der Matra-Gemeinde vielleicht Bedarf fuer ein paar mehr besteht, kønnten wir so etwas anfertigen.

      Hilsen

      Kai
      Hallo
      bezüglich Plastik und spesiell GFK, hat sich schon jemand Gedanken um die Brandsicherheit gemacht?
      Der Motordeckel ist ja die einzige Abtrennung zwischen Fahrgastraum und Motor. Ich würde immer die schwere Ausführung oder eine Nachfertigung aus Alu vorziehen.
      Gruss, Rolf
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      Und dieser Plastik ist meist schon schwarz, so dass ein Brand nicht so auffällt.... ?

      Ich stimme Rolf zu. Ausserdem ist das nun ja nicht gerade ein super-rarer Artikel.

      Die Aufarbeitung gefällt mir und macht mehr her als eine lausige Nachfertigung,
      die bei einem Brand (z.B. abfallendes Messingrohr beim Vergaser) gleich die ganze Kiste abfackeln lässt.

      Aber macht was ihr wollt, ich schaue meine etwa 10 Deckel durch, welche leicht, schwer, gerade oder krumm sind.
      Eine Nachfertigung würde ich sicher nicht kaufen.

      Gruss

      Christoph
      Gerald : Schau einfach nicht rein, mach ich auch nicht mehr, denn ko.. kann ich auch wo anders.
      Rolf : Seit dem ich meinen 530iger habe denke ich genau über das Selbe nach, was Du geschrieben hast.
      Beim Fahren grüble ich manchmal darüber nach : Na, Uwe, was ist jetzt sicherer ? Angeschnallt bleiben, oder lieber doch nicht ? :thumbup:
      Christoph : Man sammelt Briefmarken, nicht Autoteile :D

      Gute Nacht
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